Die Killer sind tot.

Wenn unsere Erde am 21.12. 2012 oder sonst irgendwann ihre finale Katastrophe erwartet, könnten nicht nur die Küchenschaben überleben, sondern auch Jason Vorhees. Der ist nämlich dermassen unkaputtbar, der wäre sogar imstande, das vielerorts gefürchtete Ende des Maya-Kalenders zu überstehen.

Das sind allerdings nur die fieberhaften Träume eines Slasher-Movie-Connaisseurs, denn eigentlich hat der Mainstream meinem hochverehrten Herrn Vorhees schon 2009 den modrigen Hals für immer umgedreht. Wie es dazu kam, muß ich hier unbedingt erzählen.

Jason Vorhees, Slasher-Ikone.

In den unzähligen Sequels der Freitag der 13.-Reihe wurde uns Fans ja immer wieder suggeriert, dass Jason eine vollkommen unzerstörbare Wesenheit ist. Ich erinnere mich daran, dass er mehrmals mit einer Axt getötet, ertränkt oder durch Chemikalien zersetzt wurde. Mindestens genau so oft wurde er allerdings von unfreiwilligen oder manchmal auch bewusst agierenden Helfern wieder in seine untote Existenz auf Erden zurückgeholt, zum Beispiel durch gigantische Elektroschocks, ausgelöst durch Gewitter oder durch in Gewässern verlegte elektrische Kabel.

Nicht Jason, sondern Roy Thomas als Copycat Killer (aus "Freitag der 13. - Ein neuer Anfang"), 1985

Konnte er mal für gewisse Zeit gar nicht wiederauferstehen, trat sofort ein Copycat-Killer als interimistischer Ersatz in Erscheinung. Aber Jason schaffte es dann doch immer irgendwie (von welch finsterer Dimension auch immer) zurückzukehren und weiterhin sein blutiges Todeshandwerk in seiner berühmten stoischen Art zu verrichten. Diese Wiedererweckungen hatten manchmal sogar eine übersinnliche, schwarzmagische Komponente. In “Jason goes to Hell: The Final Friday” entdeckte er die Gabe, Besessenheit auszulösen, und hüpfte so von einem menschlichen Bewußtsein zum Nächsten, um seine Mordlust zu befriedigen.

Dagegen wäre sogar HAL machtlos: Jason killt in einem Raumschiff.

Jason entkam ausserdem aus der Hölle, und wem sonst ist das schon gelungen? In dem grandiosen Epos “Jason X” bekam seine Resurrektion dann überdies so richtig geile Science Fiction-Elemente verpasst: Da wurde er nämlich mittels Kryotechnik tiefgefroren und sollte mit einem Raumschiff ins All gebracht und dort ausgesetzt werden. Logischerweise entkam und slashte er, erwachte nach seinem erneuten Tod durch die tapfere Crew unter Mithilfe von Nanotechnik als Cyborg und landete schließlich als “Uber Jason” (Kein Scherz!)  auf einer neu besiedelten Erde 2. Wahnsinn.

Clash Of The Titans: "Freddy vs. Jason" (2003)

Jason’s allergrösste Zeit allerdings kam mit dem Film danach: Ein glücklicher Franchise-Zusammenschluß diverser Produktionsfirmen bescherte uns Fans mit dem fantastischen Meta-Epos “Freddy vs Jason” die Zusammenlegung von A Nightmare On Elm Street und Freitag der 13. – die ultimative Vereinigung zweier heissgeliebter Horrorfilm-Universen.

Vermutlich weil der beschriebene Science Fiction-Plot zu kompliziert aufzulösen war, verlegte man Jason nun in eine surreale Traumwelt. Von Freddy Krueger wiederbelebt, sollte er mittels ausgesuchter Morde Angst und Schrecken verbreiten, damit Krueger an Stärke gewinnen konnte und so viele Opfer wie möglich in seine eigene Dimension bekam. Der krallenbestückte Serienmörder mit dem bekannten gestreiften Pulli hatte allerdings schon bald keine Kontrolle mehr über die titanisch-schwarze Urgewalt Jason Vorhees und so kam es letztendlich zu einem aberwitzigen Showdown, der logischerweise nicht zu Gunsten von Krueger ausging.

Freddy vs. Michael vs. Jason - das wär ein Traum gewesen!

Meine Crossover-Fantasie war nach diesem Meisterwerk dermassen beflügelt, dass ich mir die wildesten Duelle ausmalte: Jason gegen Michael Myers zum Beispiel, oder gegen Leatherface. Weitere Kanditaten: Pinhead, Chucky, Norman Bates oder Ghostface – da hätte ich mir dann sogar so richtige Tag-Teams wie im Wrestling vorstellen können, mit gigantomanischen, weltenzerstörenden Cagefights.

Kaputtmacher: Michael Bay

Doch plötzlich drohte den unzerstörbaren, von Fans heiliggesprochenen und hingebungsvoll verehrten  Slasher-Ikonen großes Unheil – und zwar in der Gestalt des untalentiertesten und gleichzeitig mit den grössten Budgets ausgestatteten Hollywoodmogul Michael Bay. Dieser moderne Ed Wood hatte es sich nämlich in den Kopf gesetzt, all diese in Ehren ergrauten Killer in “modernisierten” Varianten für schnelles Geld zu vergurken. Und das ist ihm leider auch vollkommen gelungen: die von ihm produzierten Neuinterpretationen von Klassikern wie Texas Chainsaw Massacre, The Hitcher, Freitag der 13. und schließlich auch noch A Nightmare On Elm Street waren dermassen schlecht, dass sie alte Fans zum Weinen brachten, gleichzeitig aber auch noch die anvisierte, junge Zielgruppe um Kilometer verfehlten.

Kaputtmacher 2: Rob Zombie

Und der als vielversprechender Fanboy gestartete (und eigentlich von mir sehr geschätzte) Sänger/Regisseur Rob Zombie verhunzte mit seinem zweiten “Halloween”-Remake ausserdem noch den armen Michael Myers, in dem er ihn in einem vollkommen weinerlich-absurden Machwerk schlußendlich die Maske abnehmen ließ – damit war auch diese Legende endgültig zerstört, dankeschön.

Nur ein trauriger, bärtiger Mann: Tyler Mane als Michael Myers ohne Maske

Was also nicht einmal zahllose Polizisten, Priester oder der Leibhaftige selbst schafften, nämlich die grusligsten Film-Serienkiller endgültig unter die Erde zu bringen, gelang sich für smart haltenden Hollywoodyuppies mit Leichtigkeit, in dem sie diese einfach der Lächerlichkeit preisgaben. Das haben Jason und Michael, Freddy und der gute alte Leatherface einfach nicht verdient.

Vor wenigen Tagen erreichte uns die Meldung, dass man nun doch wieder einen neuen Freitag der 13.-Streifen drehen wolle, obwohl ein weiteres Sequel nach dem furchtbar gefloppten Michael Bay-Remake in den vergangenen Jahren gar nicht mehr zur Debatte stand. Und weil man nun anscheinend nicht mehr so genau weiss, was man mit Jason Vorhees anfangen soll, hiess es, der Film solle eine Mockumentary im Stil von “Blair Witch Project” oder “Paranormal Activity” werden. Gott behüte! Ausgelutschter geht es dann schon wirklich nicht mehr. Lasst den Jason doch in Frieden ruhen! Die Hard-Fans wie euer Docteur träumen mit den vergangenen zwölf Freitag der 13.-Teilen lieber von der ruhmreichen, blutigen Vergangenheit der amerikanischen Slasher-Movies.

Alle Masken, die Jason jemals getragen hat (Bild von www.bloody-disgusting.com)

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6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. R.I.P., Ihr guten Bösen!

    Ich frag mich gerade, ob’s heutzutage Vergleichbares gibt. Hat Jigsaw das Format, deren Erbe anzutreten? Ich glaub nicht… Was war es, welche Zeitqualität, die damals all diese übersinnlichen Serienkiller hervorgebracht hat? Und was haben wir nun an ihrer Stelle? — Interdimensionale Amokläufer, das wär doch mal was ;-) !

  2. Du hast recht, Jigsaw hat nichts von den Qualitäten der alten Slasher-Ikonen, das ist vergleichbar mit Romero’s Zombies, die von rasenden Wahnsinnigen abgelöst wurden. Und der “Ghostface” aus “Scream” der nervt irgendwie auch nur mehr :-) Ja, “Interdimensionale Amokläufer”, da wäre halt das Comic als Medium wieder gefragt, ich glaube, filmisch lässt sich das nicht mehr befriedigend umsetzen…
    :-) liebe grüsse, doc

  3. Seh ich auch so (und laß mich gern eines Besseren belehren, wenn es da draußen entsprechende Filme geben sollte). Aber auch im Comic vermiß ich so etwas — denk nur mal, was man draus hätte machen können, wenn man etwa das Konzept des Korinthers aus Sandman weiterentwickelt hätte… *schauder*

  4. Der Korinther von Gaiman: Der schrecklichste Killer aller Zeiten! Den darf man mythologisch gar nicht zu sehr von der Leine lassen. *ebenfallsschauder* :-D

  5. yeah! jason ist kasse. mal sehen was der 13.te streifen von freitag der 13. so mit sich bringt. auch wenn der vorgänger nicht so berauschend war, alleine wegen der zahl sollte man dem film eine chance geben und hoffen das dies ein würdiger letzter teil werden möge;)

  6. ja unbedingt, da warte ich schon sehnsüchtig drauf und hoffe das er gut wird! und hoffentlich mit cooler maske :-)

    es grüsst dich

    dein docteur


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